Über Motive von Eltern ihr Kind zum häuslichen Unterricht abzumelden

Viele Eltern melden ihre Kinder aus zweckdienlichen Gründen in den häuslichen Unterricht ab. Idealisierte Motive, wo es um die Verfolgung von Ausstiegsszenarien geht, aber auch extreme fanatisch religiöse bis staatsfeindliche Überlegungen können bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Eltern, die ihre Kinder von einer öffentlichen Schule in den häuslichen Unterricht abmelden, überzeugt sind, ihrem Kind damit Gutes zu tun. Die Annahme, dass Eltern für ihre Kinder das Beste wollen, heißt aber nicht automatisch, dass es für die Entwicklung der Kinder gut ist.

Ich möchte einige Motive von Eltern ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufzählen:

  • Bei Vorschulkindern –  und da vor allem bei Kindern mit Behinderungen – tendieren Eltern eher dazu, ihre Kinder in den häuslichen Unterricht abzumelden, als sie ein Jahr in eine Vorschule zu schicken, wo diese danach sowieso in eine „spezielle Klasse“  wechseln müssen.
  • Manchen Eltern bringt die durch chronische Schulbesuchsverweigerung ihrer Kinder hervorgerufene Geldnot (Strafen fürs Schwänzen) dazu, diese in den häuslichen Unterricht abzumelden.
  • SchülerInnen, die einen regelmäßigen oder konstanten medizinischen und/oder pflegerischen Bedarf während der Unterrichtszeit haben, stellen Schulen auch heute noch vor  gravierende Ressourcenprobleme, diese Bedarfe abzudecken. Aus Sorge um ihre kranken Kinder melden Eltern deshalb ihre Kinder in den häuslichen Unterricht ab.
  • Familien, die durch zu pflegende Angehörige chronisch belastet sind, erkennen in einem Hausunterricht den Vorteil, unterschiedliche Verpflichtungen besser zentral, also in den eigenen vier Wänden, koordinieren und leisten zu können: aus Gründen der Entlastung machen diese Eltern vom Recht auf häuslichen Unterricht Gebrauch.
  • Eine steigende Anzahl von Eltern ist auf der Suche nach alternativen Lebensformen und „Ausstiegsszenarien“. Eltern sehen im  häuslichen Unterricht Chancen und Möglichkeiten, ihre Kinder als Protest gegen den Mainstream anders auszubilden.
  • Auch Eltern, die  an einer psychischen Erkrankung leiden und aus Gründen einer gespaltenen Wahrnehmung der Welt ihre Kinder vor der bösen Welt schützen wollen, die auch durch die Schule repräsentiert wird, können sich entscheiden ihre Kinder zum häuslichen Unterricht abzumelden.
  • Um sicher gehen zu können, dass ihre Kinder gut behütet aufwachsen, entscheiden sich immer mehr Eltern, ihre Kinder in eigener Obhut zu unterrichten. 
  • Der Hausunterricht ist auch für all jene Eltern, die davon überzeugt sind, dass Kinder andere Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten brauchen, als öffentliche Schulen sie anbieten, ein willkommenes Recht.
  • Leider gibt es auch unter den  Abmeldungen zum häuslichen Unterricht in Österreich eine Vielzahl von Eltern, die sich aus fundamental-gesellschaftskritischen Beweggründen für den Bildungsweg des häuslichen Unterrichts entscheiden (dazu Absatz unten). Solche Eltern, sind oftmals nicht mit bestimmten schulischen Bildungsinhalten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen einverstanden (Sexualkunde, Gleichstellung von Geschlechtern Evolutionstheorie…), und melden ihre Kinder von der Schule ab, um sie künftig nach ihren eigenen, subjektiven Theorien zu unterrichten.
  • Nach dem  „Positionspapier  zum häuslichen Unterricht und zum Unterricht an einer privaten Schule ohne Öffentlichkeitsrecht“  der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreich gibt es eine Vielzahl von privat unterrichteten Kindern, die zu extremen religiösen, esoterischen oder radikalen bis fremdenfeindlichen oder gar staatsfeindlichen Gliedern einer geschlossenen Gesellschaftsgruppe herangebildet werden (vgl. www.kja.at unter Positionen und Stellungnahmen: 05.09.2018 Positionspapier häuslicher Unterricht Stand per 17.08.2019).