Durch den häuslichen Unterricht werden in Österreich jährlich bis zu 20 Millionen Euro weniger für Bildung ausgegeben…

Der Umstand, dass in Österreich jährlich ca. 2000 Kinder privat unterrichtet werden lässt den Schluss zu, dass der österreichische Staat viele Millionen im Bildungsbereich einspart. Diese Beträge würden dringend benötigt werden, um Kinderrechte im häuslichen Unterricht zu sicher und zu schützen.

Da das Elternrecht auf häuslichen Unterricht ohne Auflagen und Voraussetzungen von allen Eltern, deren Kinder ausreichend deutsch sprechen, genützt werden kann, und diese Eltern den privaten Unterricht ihrer Kinder selbst finanzieren müssen, fallen dem Staat für die Kinder im häuslichen Unterricht  außer den Kosten für die Schulbücher und die alljährliche Überprüfung keine weiteren Ausgaben an.

Laut „Nationaler Bildungsbericht Österreich 2018“ fielen in Österreich im Schuljahr 2015/16 pro SchülerIn in der VS (Volksschule) durchschnittlich Euro 8066,– und in der NMS (Neue Mittelschule) Euro 12 259,– Bildungsausgaben an.

Im Schuljahr 2018/19 wurden ca. 2000 Kinder in den häuslichen Unterricht abgemeldet. Da davon ausgegangen werden kann, dass diese Kinder zu gleichen Teilen nach dem Lehrplan der  VS und in der NMS privat unterrichtet werden, kann der Mittelwert von beiden Schultypen, das wären Euro 10.162,– Bildungskosten pro Jahr  und Kind herangezogen werden, den Kinder im häuslichen Unterricht nicht verbrauchen aber dringend benötigen würden, damit ihre Kinderrechte im häuslichen Unterricht geschützt werden.Der Mittelwert – Bildungsausgabenwert /Kind in Höhe von Euro 10162,– mal der Anzahl der abgemeldeten Kinder zum häuslichen Unterricht ergibt einen Betrag von etwas mehr als 20 Millionen Euro.

Ansätze, wie von staatlicher Seite der Versuch unternommen wird, Kinderrechte in privat geführten Unterrichtssettings zu schützen, gibt es in vielen Ländern, in denen homeschooling erlaubt ist. In Österreich hingegen gibt es außer der Verpflichtung der Eltern, beim häuslichen Unterricht das Kindeswohl  einzuhalten und dem Angebot, die Schulbuchaktion für ihre privat unterrichteten Kinder  in Anspruch zu nehmen, keine weiteren freiwilligen oder verpfliichtenden Unterstützungsangebote. Ob Eltern nun beim häuslichen Unterricht das Kindeswohl einhalten oder nicht, bleibt den Eltern überlassen, da es kaum behördliche Kontrollen gibt. Diese Rahmenbedingungen stellen für viele Eltern einen Freibrief dar, Kinderrechte einfach zu missachten.

Deshalb gehören diese Rahmenbedingungen meiner Meinung nach schnellstmöglich gründlich reformiert. Aus diesem Grund habe ich im vergangenen August (2019) einigen Bildungssprechern der im Nationalrat vertretenen Parteien „Anregungen zur Gesetzesänderung betreffend den häuslichen Unterricht“ vorgeschlagen.

Ich möchte beispielhaft versuchen, einige Unterstützungsbedarfe zu formulieren, die notwendig wären, um die Grundrechte der Kinder im häuslichen Unterricht zu schützen und zu sichern:

Es bedarf meiner Meinung nach zusätzlicher Reformen im Schulsystem, um den Problemen und Benachtteiligungen von Kindern im Zusammenhang mit dem häuslichen Unterricht entgegenzuwirken. (vgl. dazu  „Im Schulsystem verortet Probleme und Benachteiligungen von Kindern im Zusammenhang mit dem häuslichen Unterricht“)

Weiters bedarf es meiner Meinung nach Beratungsangebote für Eltern im häuslichen Unterricht: In dem Kapitel „Über Motive von Eltern ihre Kinder zum häuslichen Unterricht abzumelden“ geht es auch um Erziehungsfragen, was Eltern für ihre Kinder wünschen und was Kinder brauchen, um sich emotional wie kognitiv gut entwickeln zu können. Im Kapitel „entwicklungsförderliche und entwicklungshemmende Dynamiken durch häuslichen Unterricht“ werden entwicklungsförderliche  sowie entwicklungshemmende Faktoren beschrieben, die durch einen Hausunterricht  oder auch durch einen Unterricht in einer privaten Schule ohne Öffentlichkeitsrecht entstehen können. Um diesen entwicklungshemmenden Faktoren entgegenzuwirken, bedarf es Erziehungs- und Bildungsberatungsangebote für Eltern im Kontext des häuslichen Unterrichts.

Um Kinder im häuslichen Unterricht in ihrem Recht auf angemessene Beteilungung und Berücksichtiugng ihrer Meinungen in allen sie betreffenden Angelegenen zu unterstützen, bedarf es meiner Meinung nach einen Beistand für Kinder im privaten Unterricht.

Meiner Meinung nach müssten auch jene behördlichen Institutionen im Kontext des häuslichen Unterrichts  mit verwaltungsbehördlichen Durchgriffsrechten rechtlich gestärkt werden, um die Kinderrechte besser schützen zu können. Dieser zusätzliche Verwaltungsaufwand könnte ebenso wie Bildungs- und Erziehungsberatungsangebote, ein Beistand für Kinder im privaten Unterricht sowie Schulreformen (siehe oben)  aus den nicht verbrauchten Bildungsausgaben („20 Millionen für Kinderrechte im häuslichen Unterricht“)  mitfinanziert werden.