„Das Recht auf häuslichen Unterricht sollte vorrangig die Grundrechte der Kinder sichern und schützen!“ Betroffene melden sich zu Wort

Seit Maria Theresia gibt es in Österreich die gesetzlich in der Allgemeinen Schulordnung geregelte Unterrichtspflicht, aus dem sich das in der Verfassung festgeschriebene Elternrecht auf häuslichen Unterricht ableitet: der häusliche Unterricht ist ein Elternrecht, das in Österreich ohne Voraussetzungen und Auflagen Eltern erlaubt, ihre Kinder von einer öffentlichen Schule abzumelden, um sie selbst zuhause zu unterrichten bzw. sie in eine private Schule ohne Öffentlichkeitsrecht anzumelden. Mit einem positiven Jahreszeugnis, das durch eine Externistenprüfung an einer öffentlichen Schule erworben wird,  wird  der häusliche Unterricht jeweils für ein weiteres Jahr bewilligt.

Auf der einen Seite  eröffnet das weitgehend uneingeschränkte Elternrecht auf häuslichen Unterricht enormes kreatives Potenzial, neue Bildungsangebote für Kinder zu schaffen.

Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer von Eltern den Heimunterricht missbräuchlich verwendet.

Betroffenen fällt es schwer, über erlebte Missstände im häuslichen Unterricht zu sprechen, weil sie damit  ihr Nest (Kernfamilie) beschmutzen und weil es ihnen im Falle von vorhandenen Bildungsmängeln peinlich ist, diese öffentlich anzusprechen.

Als ehemalige Betroffene von häuslichem Unterricht  erkannten wir jedoch, dass aus falscher Scham zu schweigen weitere systematische Verletzungen an Kinderrechten gedeckt werden. Wir möchten unsere Kenntnisse und Erfahrungen veröffentlichen und damit bewirken, dass künftig die Grundrechte von jedem Kind, das in Österreich lebt und zuhause von seinen Eltern oder in einer privaten Schule ohne Öffentlichkeitsrecht unterrichtet wird, gesichert und geschützt werden.

Stephan Flügel

Tischler, Schriftsteller

Mag.a Aya Boesch MA

Sonder- und Heilpädagogin

Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin